Zweifel

EFT und Selbstzweifel

Diese exzellente (und sehr persönliche) Abhandlung von Steve Wells aus Australien führt uns "hinter die Kulissen" seiner eigenen Selbstzweifel und liefert uns nützliche Instrumente, um dieses nervige (und oft auch unrealistische) Dilemma zu beseitigen. Dies ist ein interessanter Artikel, da WIR ALLE (auch unsere Klienten) durch Selbstzweifel auf die eine oder andere Art und Weise geplagt werden.

Hierzu möchte ich anmerken, dass Colin J. Larcombe diese Methode mit großem Erfolg angewendet hat, als sie zum ersten Mal in unserem Newsletter erwähnt wurde. Seine Schlussfolgerungen stehen am Ende dieses Artikels.

Herzlichen Dank an Dorothee Geray für die Übesetzung und die Abdruckerlaubnis!

Von Steve Wells

Ich glaube, wenn wir die 10 größten Probleme der Welt auflisten würden, wäre Selbstzweifel eines von ihnen. Selbstzweifel ist die Grundlage für unsere tiefste Frustration darüber, dass wir mit unserem Leben einfach nicht weiterkommen. Es ist einer der größten Hemmschuhe für das menschliche Potential, die es überhaupt gibt. Es ist das Problem, das wir überwinden müssen, wenn wir unsere Ziele überhaupt erreichen wollen und es ist auch etwas, dem wir uns stellen müssen, wenn wir zu mehr Frieden mit uns selbst kommen wollen.

Angst und Zweifel passen zusammen wie Hand und Handschuh. Selbstzweifel sind häufig vermischt mit Angst, obwohl sie ihren Ursprung auch in einem Mangel an Selbstakzeptanz haben können. Die Unfähigkeit, mit Selbstzweifeln fertig zu werden, führt zu einer Lähmung, und diese Lähmung - vor allem, wenn sie wichtige Lebensziele betrifft - führt mit der Zeit zu Frustration und zu Wut über sich selbst. In seiner extremsten Form kann Selbstzweifel zu Selbsthass, ja sogar Abscheu führen.

In meiner Performancearbeit mit Athleten und Geschäftsleuten habe ich noch nicht mit einer einzigen Person gearbeitet, die nicht die eine oder andere Form von Selbstzweifeln gehabt hätte. Und genau wie alle Menschen, die ich kenne, habe auch ich selbst unter diesem Problem gelitten. Ich denke, die Arbeit mit mir selbst führt mitunter zu den größten Erkenntnisgewinnen für meine Arbeit mit anderen, und so werde ich nochmals "meine Seele offenbaren" und eine meiner jüngeren "Lernerfahrungen" beschreiben, in der Hoffnung, dass dies - wie bei der anderen Arbeit, über die ich im Zusammenhang mit dem Thema Selbstakzeptanz berichtet habe - auch Ihnen bei Ihrer Reise zu sich selbst weiterhilft.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang bei einem Workshop im letzten Jahr. Am dritten Tag des Workshops floss aufgrund einer defekten Pumpe das Wasser nicht ab, die Toiletten verstopften, und dann fiel auch noch die Klimaanlage aus und wir saßen den Rest des Tages in brütender Hitze. Meine Leistung war an diesem Nachmittag und unter diesen Bedingungen alles andere als perfekt und - trotz des positiven Feedbacks der Workshopteilnehmer und der Bestätigung durch meinen guten Freund David Lake (der schließlich dazu verpflichtet ist, mir etwas Nettes dazu zu sagen, schließlich ist er mein Freund!) - fühlte ich mich nach diesem Workshop einfach schrecklich. Am Abend flog ich nach Hause, völlig am Boden zerstört und völlig deprimiert.

Ich beschloss, dass ich an dieser Sache arbeiten musste und so nahm ich sofort mein Notebook aus der Tasche. Ich finde, wenn ich persönlich Dinge mit EFT bearbeite, dass es mir wirklich hilft, wenn ich die einzelnen Punkte schriftlich festhalte. Wenn ich zu Hause bin, tue ich das am Computer, tippe die ursprünglichen Themen und Probleme als Startpunkt auf den Bildschirm und dann schreibe ich mir, während ich klopfe, alle wichtigen Gedanken und Gefühle auf, die dabei in mir hochkommen. Dieser Prozess, die Gedanken und Gefühle aufs Papier bzw. auf den Bildschirm zu bringen, bewirkt ganz ohne Zweifel etwas. Außerdem ist es eine echte Bestätigung der Veränderungen, die man hinter sich gebracht hat, wenn man sich nach einigen Wochen oder Monaten diese Notizen wieder vornimmt und sich darüber wundert, dass man überhaupt einmal solche negativen Ideen hatte.

So saß ich also im Flieger, und war total angewidert von mir selbst. In unserer Arbeit haben Dr. David Lake und ich festgestellt, dass Übertreibung, vor allem des Negativen (auch wenn es ebenfalls auf Positives angewendet werden kann) ein enorm machtvolles Werkzeug ist, um nicht nur zu einer richtigen Perspektive gegenüber Problemen zu finden, sondern auch, um sicherzustellen, dass wir die zerstörerischsten negativen Gedanken und Glaubenssätze herausfinden, um sie dann wirksam bearbeiten zu können. Die Übertreibung hilft nicht nur dabei, sich auf das Thema zu konzentrieren und es auf den Punkt zu bringen, sondern auch die Intensität der schädigenden Gedanken und Gefühle aufzuheben. Da wir, um mit einem Thema arbeiten zu können, keine hohe Intensität benötigen, uns aber gleichwohl darauf konzentrieren müssen, scheint es zwar paradox, aber dennoch wahr, dass durch die Übertreibung ein gewisser Grad an Abstand und Verzerrung erreicht wird, der einen Teil der emotionalen Intensität ausgleichen kann. Der Prozess der Übertreibung hat noch einige andere Vorzüge, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, aber ich will doch sagen, dass ich ihn gerade im Bereich von Problemen, die mit einer negativen Selbsteinschätzung zu tun haben, für ein machtvolles Instrument sowohl im Bereich der Selbsthilfe als auch bei professioneller Therapie halte.

Bevor ich mit dem Klopfen anfing, wollte ich alle Aspekte auf dem Papier stehen haben, und so begann ich mit einer Liste von "101 Gründen, weshalb ich unzureichend bin". Es stellte sich heraus, dass ich nur 42 zusammenbrachte, von denen sich einige auch wiederholten, aber ich dachte mir, es sei vielleicht ausreichend für den Moment.

Es ist ulkig, wie in einem solchen Moment, wenn man sich in einem so negativen Stadium befindet, eine ganze Reihe von anderen "Problemen", die man mit sich hat, die einen aber normalerweise überhaupt nicht so sehr belasten, plötzlich den Rang von strafwürdigen Vergehen annehmen. So befanden sich auf meiner Liste, ganz abgesehen von der Enttäuschung über meine Leistung bei dem Workshop, eine ganze Reihe ganz allgemeiner problematischer Verhaltensweisen, wie z.B. "Ich schreie meine Kinder an", "ich esse zu viel", "ich trainiere nicht regelmäßig genug" bis zu herausfordernderen Problemen wie "ich bereue eine ganze Menge Dinge, die ich in meinem Leben falsch gemacht habe" und Problemglaubenssätzen darüber, wie ich bin , wie z.B. "ich bin unorganisiert" und "ich mache mir viel zu viele Sorgen" bis hin zu Feststellungen über Lebensziele wie "ich habe den ultimativen Erfolg in meinem Leben noch nicht errungen", "ich bin immer noch kein Multimillionär". Und dann war da, natürlich, auch noch das auslösende Problem des Tages, "ich habe heute keinen perfekten Job gemacht".

Ich beschloss, dass diese Liste zu umfangreich war, um sie auf dem kurzen Flug zu beklopfen und abgesehen davon wollte ich wirklich nicht so viel Klopfarbeit in der Öffentlichkeit machen, also tat ich, was ich häufig in öffentlichen Situationen tue, und beklopfte hauptsächlich den Meridianpunkt, der für mich am besten funktioniert, und das ist der Punkt seitlich vom Augenwinkel. Darüber hinaus brachte ich noch einige Runden, in denen ich die Punkte einfach nur berührte oder rieb, hinter mich, genauso wie einige Runden, in denen ich mir das Klopfen nur vorstellte. Ich tat dies, während ich mir jeden einzelnen Punkt noch mal durchlas, wobei ich sie innerlich umformulierte und übertrieb, sowohl im Setup als auch beim Beklopfen der einzelnen Punkte. Am Beispiel des "ich schreie meine Kinder an" hieß das, ich übertrieb die Bedeutung und die Konsequenzen dieser Handlungen, so dass daraus "ich bin ein schrecklicher Vater" wurde.

Als ich mich auf mein "Versagen" bei der Präsentation an diesem Tag konzentrierte, gab ich mich dem Gefühl so richtig hin, wobei ich darauf herumritt, wie schlecht meine Performance gewesen war. Dies wirkte zusammen mit dem Klopfen natürlich Wunder und nachdem sowohl meine Übertreibung als auch die Klopfarbeit ihre Wirkung zeigten, war ich in der Lage, die Ereignisse dieses Tages in die richtige Perspektive zu rücken, und es wurde mir klar, dass es nicht nur ein sehr heißer Tag gewesen war, sondern dass ich auch in der Nacht vorher nur wenig Schlaf bekommen hatte und dass meine Präsentation angesichts dieser Umstände wirklich ganz in Ordnung war (statt schrecklich) und viele Leute gedacht hätten, sie sei richtig gut gewesen. Ich wusste immer noch, dass es hätte besser sein können, aber ich fühlte mich nicht mehr so angewidert durch meine "miserable Leistung".

Allerdings hatte ich immer noch meine lange Liste meiner persönlichen Fehler und ich wusste, dass beim nächsten Mal, wenn ich eine negative Erfahrung machen würde, ähnliche Gedanken und Gefühle wieder in mir hochkommen würden. So nahm ich meine Liste mit nach Hause, um daran weiterzuarbeiten und sobald sich mir die Gelegenheit dazu bot, machte ich mich wieder an die Arbeit.

Da war ich also mit meiner Liste meiner persönlichen Fehler bzw. Unzulänglichkeiten. Ich fing damit an, sie alle zusammenzuwerfen und sie gerade so in das Setup zu übernehmen und sie in Gedanken zu wiederholen, während ich klopfte. Ich fasste jeweils 3 oder 4 Probleme in einem Setup zusammen, z.B.: "Auch wenn ich nicht regelmäßig genug trainiere und dicker bin, als ich sein sollte und zu viel esse und noch nicht den ultimativen Erfolg im Leben habe, liebe und akzeptiere ich mich doch ganz und gar." Und " auch wenn ich meine Kinder anschreie und mir zu viele Sorgen mache und alles vor mir herschiebe und jede Menge Dinge habe, die ich dringend tun sollte, liebe und akzeptiere ich mich doch ganz und gar".

Ich fing sofort an, zu lächeln, als ich diese Statements miteinander kombinierte, wobei mir das Nebeneinander der Probleme den Ausgangspunkt dafür lieferte, die Dinge in die richtige Perspektive zu bringen. Dann begann ich zu klopfen, wobei ich an jedem Punkt je ein Problem wiederholte (Zum Beispiel: Augenbrauenpunkt "ich trainiere nicht regelmäßig genug", Augenwinkel "ich bin dicker, als ich es sein sollte", unter dem Auge "ich esse zuviel", unter der Nase "ich habe noch nicht den ultimativen Erfolg in meinem Leben erreicht", unter dem Mund "ich bin nicht organisiert genug", Schlüsselbeinpunkt "ich halte einfach nicht genügend Dinge durch", unter dem Arm "ich schreie manchmal mit meinen Kindern herum". Wie Dr. David Lake und ich es üblicherweise so machen, holte ich am Ende jeder Klopfrunde tief Luft. Wir haben festgestellt, dass uns das Gelegenheit gibt, zu einer Balance zu kommen und die Gedanken zu klären und zu verarbeiten. Natürlich holen viele Klienten an diesem Punkt ganz spontan tief Luft, wie das auch bei mir hier der Fall war - ich begann zu realisieren, wie ich es oft bei dieser Arbeit getan habe, dass das "den Teufel beim Namen zu nennen" seinen Griff lockert.

Während ich meine Liste der Problempunkte so durchging, fing ich an, sowohl ihre Schwere als auch die Bedeutung, die sie für mein Leben hatten, zu übertreiben. Ich nahm jeden Satz, und verwendete ihn erst einmal so, wie ich ihn aufgeschrieben hatte und ließ darauf eine Übertreibung desselben Gedankens und/oder eine Übertreibung der Konsequenzen, die dieses Problem auf mein Leben hatte, folgen. Manchmal, vor allem wenn ich merkte, dass mit einem bestimmten Punkt eine ganz besonders starke Intensität verbunden war, machte ich mit den Übertreibungen weiter und dehnte sie aus, bis ich in der Lage war, eine gewisse Perspektive zu gewinnen.

Zum Beispiel:
"Ich bin schlecht organisiert" (mein Ursprungssatz) wurde gefolgt von "und das macht mich zu einem komplett hoffnungslosen Fall" (Übertreibung) und "Ich bin der absolute Versager" (weitere Übertreibung). Als ich das beklopfte, begann ich zu grinsen und musste dann sogar richtig lachen, als ich diese negativen Extreme beklopfte. Am Ende dieser Runde schoss mir der Gedanke durch den Kopf "Ich bin wirklich gar nicht so schlecht, das sind einfach nur ein paar negative Gedanken, an denen ich mich festklammere".

Natürlich besteht das paradoxe Geheimnis darin, solche "umschreibenden" Sätze weder von sich selbst noch von einem Klienten "anzunehmen", bis sie mit totaler Übereinstimmung gesagt und gefühlt werden können. Also fuhr ich fort: "auch wenn ich ein totaler Versager bin" (Übertreibung meines Ausgangssatzes "ich habe noch nicht den ultimativen Erfolg in meinem Leben erreicht") ... "und auch wenn ich ein grauenhafter Vater bin" (meine Übertreibung von "manchmal schreie ich mit meinen Kindern herum" und "Ich tue gut daran, mir ohne Unterlass Sorgen zu machen, weil ich eine ganze Menge Dinge habe, über die ich mir dringend Sorgen machen muss" (meine Übertreibung von "Ich mache mir zu viele Sorgen"). Jeder Übertreibungssatz, den ich aussprach, rief gleichzeitig einen Schock der Erkenntnis wie auch leichten Widerstand gegen die Feststellung hervor. Das sehen wir häufig bei unserer provokativen Annäherungsweise - wenn wir uns in ihrer negativen Einschätzung an die Seite unserer Klienten begeben, werden sie frei, auch die andere Seite der Medaille in Betracht zu ziehen. Ich habe festgestellt, dass das genauso gut funktionieren kann, wenn wir alleine an unseren eigenen Problemen arbeiten (wobei ich hier die Warnung aussprechen möchte, dass es sich empfiehlt, sich an einen erfahrenen Anwender oder Therapeuten zu wenden, wenn bei der Übertreibungsmethode keine positiven Umdeutungen oder Bewusstseinsveränderungen eintreten, obwohl die Probleme für einen angemessenen Zeitraum beklopft wurden - häufig gibt es einfach eine Grenze, bis zu der Selbsthilfe möglich ist, auch wenn wir im Einzelfall nicht genau wissen können, wo diese Grenze für ein bestimmtes Thema verläuft!)

Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt immer noch allgemeine Themen beklopfte, wollte ich für mich selbst die Themen herausfinden, die die größte Intensität aufwiesen, um größtmögliche Erleichterung zu finden. Mein Ziel war, anfänglich mit den negativen Positionen eher "mitzugehen", anstatt mich gegen sie zu wehren. Das bedeutet, die Probleme eher zu akzeptieren, als sie abzustreiten. Ich tue das in der Therapie schon seit so langer Zeit, dass es zu einer zweiten Natur für mich geworden ist, und so fand ich es auch ziemlich einfach, dies jetzt mit meinen eigenen Problemen auch zu tun. Da EFT auf die negativen Emotionen einwirkt, ist es genau das, auf was ich mich auch beim Klopfen konzentrieren möchte, da ich dies verändern will, indem ich hier EFT auf die negative "Verknüpfung" anwende und sie damit auflöse. Dem mögen andere Therapeuten, die es bevorzugen, immer etwas Positives mit einzubringen, nicht zustimmen, wobei das meiner Auffassung nach häufig nur dazu führt, die negativen Impulse und Glaubenssätze zu unterdrücken, unsere Selbstakzeptanz zu untergraben, und die Themen und Probleme ins Unterbewusstsein zu verschieben, wo sie dann erst recht ihre Schäden an unserem Nervensystem anrichten können. Wir pflegen positive Dinge nur dann zu beklopfen, wenn sie auf inneren Widerstand stoßen und ein negatives Gefühl mit ihnen verknüpft ist. Wie ich schon sagte, ich glaube, dass EFT vor allem auf die negativen Gefühle einwirkt. Wenn das geschieht, kommen automatisch positive Gedanken und Gefühle hoch, ohne dass man diese speziell zu "programmieren" bräuchte.

Ich habe festgestellt, dass es uns hilft, ein Problem in die richtige Perspektive zu bringen, wenn wir seine "Wahrheit" und Existenz anerkennen, und dass uns das dazu verhilft, effektiver mit diesem Problem umzugehen. Wenn diese "Wahrheit" schmerzvoll oder verletzend ist, dann stellt oft Übertreibung ein nützliches Werkzeug dazu dar, die emotionale Intensität zu verringern und einen Perspektivenwechsel herbeizuführen. In meinem Fall fing ich an, zu erkennen, dass meine unrealistischen Erwartungen und meine Tendenz, mich selbst zu kritisieren, meine größten Probleme überhaupt waren. Hier war ich also wieder und klopfte für das Thema Selbstakzeptanz (Grrrr. Und ich hatte gedacht, diesen Teufel hätte ich ausgetrieben!)

Sobald ich das realisierte, beklopfte ich meinen Zorn auf mich selbst. "Auch wenn ich mich selber runtermache" und "Auch wenn ich viel zu viel von mir erwarte" und "auch wenn ich mich selber immer wieder fertigmache (und wütend auf mich selber bin, weil ich es tue)". Es ist ungeheuer befreiend, all diese negativen Gefühle einfach zuzulassen und Ihr Vorhandensein zu beklopfen, anstatt gegen sie anzukämpfen, und gleichzeitig aber auch den gegenläufigen Gedanken zuzulassen, wie z.B., "auch wenn ich mich immer wieder viel zu sehr fertigmache ... und es auch verdiene, und wenn ich es nicht tun würde, würde ich total ausrasten mit mir selber und mich noch viel schlimmer runterziehen und ich liebe und akzeptiere mich trotzdem voll und ganz." Vollständige Selbstakzeptanz bedeutet, alle Anteile unseres Selbst zu akzeptieren und jedem Teil seine eigene Stimme zuzugestehen.

Nachdem ich die Tatsache, dass ich mich wegen all meiner Probleme "fertigmachte" beklopft hatte, schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich irgendwie völlig "auf dem Schlauch" stand, wie ich dieses Mal mit mir selber umgehen sollte. Nachdem ich diesen Gedanken zugelassen und ihn beklopft hatte, tat sich plötzlich die philosophische Frage vor mir auf, welches denn nun mein eigentliches Ich war - der Beobachtende oder der Beobachtete? Das war für mich ein weiterer klarer Indikator dafür, dass ich begonnen hatte, mich von der Sichtweise zu entfernen, meine Probleme stellvertretend für mich selbst bzw. mich selbst als das Problem zu betrachten. Ich hatte begonnen, über meine zuvor eingeschränkte Identität hinauszuwachsen.

Was ich realisiert habe, ist die Tatsache, dass die Reise zur Selbstakzeptanz immer weitergeht, wobei ich allerdings auch festgestellt habe, dass jedesmal, wenn durch einen Vorfall bzw. ein Thema wie das oben Beschriebene meine negative Selbsteinschätzung auf die Spitze getrieben wird, das Beklopfen dieser Themen mich jenen Erfahrungen, die Gary Craig in seinen Flagstaff-Workshops als "Gottes Momente" bezeichnete, näher brachte. Wenn wir uns das klarmachen, dann wird die Aufarbeitung unserer Probleme zum Motor unserer eigenen Bewusstseinserweiterung und eröffnet uns neue Wege des Seins in unserer Welt.

Steve Wells
Aktiver EFT Autor

Follow-up Bericht von Colin J. Larcombe

Gary,

Ich dachte mir, ich könnte Dir über den Erfolg, den ich hatte, nachdem ich den Artikel von Steve Wells über EFT und Selbstzweifel gelesen hatte, berichten. Wie Du weißt, habe ich EFT schon erfolgreich angewendet, um den Alkohol aufzugeben (mittlerweile seit 9 Monaten und obwohl ich einen merkwürdigen, beklopfbaren Schmerz verspürte, habe ich keinen Tropfen mehr getrunken).

Vor kurzem verlor ich meinen Job und überlegte mir, dass es an der Zeit sei, meinen Lebensstil zu ändern. Ich hatte hin und wieder mit Optionen gehandelt und dachte, ich könnte es ja mal richtig ausprobieren. Alles lief ziemlich gut, bis vor kurzem einige Wellen den Markt erschütterten und ich einige schwere Fehler machte, die mich buchstäblich wieder auf den Ausgangspunkt zurückwarfen.

Ich las Steve"s Mail und hatte schon früher über so etwas nachgedacht, ohne dass ich mich aber dazu durchringen konnte, es wirklich durchzuziehen. Ich dachte mir, das ist der genau richtige Zeitpunkt, um die Sache in Angriff zu nehmen. Ich schrieb handschriftlich alle Dinge auf, die man als negativ einschätzen konnte, von sehr spezifischen Dingen wie "ich wehre mich da-gegen, meine Vormittage zu opfern, um die Kinder zur Schule zu bringen" bin hin zu eher generellen Dingen wie "Ich habe Panik davor, mein Leben zu verschwenden".

Dann schrieb ich all diese Punkte (72 und immer noch steigend) in eine Excel-Liste und fasste sie in Gruppen zusammen. Die Hauptüberschriften lauteten: ALLGEMEINES, GELD, FAMILIE, SEX, COMPUTER, HANDEL und UND Freunde. Nachdem ich erst einmal diese Liste hatte, ging ich sie Stück für Stück durch, fasste die einzelnen Punkte zusammen und beklopfte sie gleichzeitig. Es war schon sehr interessant zu sehen, wie viele von diesen Punkten tiefe Seufzer verursachten (was für mich ein Zeichen ist, dass die damit verbundene negative Energie aufgelöst wird).

Nachdem ich ca. 15 Minuten die erste Liste durchgegangen war, machte ich mich mit einem bemerkenswerten Gefühl der Ruhe wieder an meine Arbeit. Ich war in der Lage, den Großteil meiner Aufgaben in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen und ich kam erstaunlich gut voran. Normalerweise würde ich zwar wissen, was ich zu tun hätte, es aber auf später verschieben oder erst einmal im Internet surfen.

Jetzt füge ich jeden negativen Gedanken, der mir im Laufe des Tages durch den Kopf geht, einfach der Liste hinzu. Jeden Morgen, bevor ich an die Arbeit gehe, drucke ich mir die Liste aus und gehe sie erst einmal durch.

Das Faszinierendste ist, dass es sich anfühlt, als seien Spinnweben, die ich auf meinem Verstand hatte, einfach weggefegt. Auch wenn immer noch einige Themen nicht erledigt sind, ist es doch erstaunlich, welchen Frieden mir das gibt und ich war dadurch in der Lage, einige Durchbrüche zu erreichen, die vorher anderenfalls so nicht möglich gewesen wären.

Zwei meiner Sätze, die sehr aufschlussreich sind, lauten:

Wenn ich die Person wäre, von der ich denke, dass ich sie bin, sollte ich ein Sieger sein

Ich führe nicht das Leben, das ich möchte, weil mein Verstand nicht klar genug ist.

Ich weiß, dass das Leben viele Preise für einen bereit hält und ich bin entschlossen, sie zu erringen. 99% des Kampfes besteht darin, die richtige Geisteshaltung zu entwickeln, um sie allen Widrigkeiten zum Trotz doch noch zu erschaffen. Diese tägliche Klopfroutine ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Mit den allerbesten Wünschen,
Colin J. Larcombe

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